Raus aus dem BitCoin!


Als ich Anfang 1992 in die Finanzbranche kam und vom Vermögensberater der DVAG zum Vermögensverwalter meines eigenen Unternehmens wurde, gab es in den Fluren der Banken und Investmenthäuser einen geflügelten Witz; „Wenn die Sparkasse und UNION-Fonds (Raiffeisen- und Volksbanken) in einen Markt einsteigen, musst du diesen verlassen, denn es sind die Letzten, die in einen fahrenden Zug einsteigen!“

Was war damit gemeint? Beide genannten Institutionen sind bekanntlich die Finanzverwalter des „kleinen Mannes“ und haben somit neben dem Staatsauftrag (Sparkassen) und den Genossen (Raiffeisen- und Volksbanken) eine besondere Verantwortung zum Schutz des ihnen anvertrauten Geldes. Diesem kommen sie auch in gewisser Weise nach, indem sie nicht die Ersten in einem „neuen“ Markt sind und jede Investition der Kundengelder genauestens abwägen. Das hat natürlich den „werterhaltenden“ Effekt, lässt aber eben auch kaum spektakuläre Gewinne zu, denn wenn die „Sicherheitsregeln“ eines Marktes erfüllt sind, ist auch schon die Spekulation und Gewinnchance raus aus ihm. Meistens ist es genau der Zeitpunkt, wann Märkte, Branchen oder Trends zusammenbrechen. Und genau da setzt der Witz bei den Finanzkundigen eben an!

Was bedeutet das nun im Sinne des BitCoin? Sparkassen und Genossenschaftsbanken planen derzeit den Einstieg in den Kryptohandel. Mit Sparkassen und Genossenschaftsbanken bereiten sich die zwei Finanzriesen mit Millionen von Retailkunden auf den Einstieg in den Handel mit Kryptowährungen vor. Bislang haben sie diesen Markt vor allem Fintechs und Start-ups überlassen.

Lange scheuten viele Regionalbanken aus Angst vor Imageschäden im Falle eines Crashs und wegen regulatorischer Unsicherheiten den Schritt in den Kryptohandel. Inzwischen sorgt ein einheitliches EU-Regelwerk für mehr Klarheit. Gleichzeitig wächst der Druck, denn gerade junge Kunden drohen abzuwandern, wenn Institute keine Kryptoangebote vorlegen. Laut Bitkom zeigt sich rund ein Viertel der Deutschen offen für Kryptowährungen wie Bitcoin oder Andere. Acht Prozent haben bereits investiert, ein Signal für Banken, die bisher zögerten.

Genossenschaftsbanken starten noch 2025, denn im Genossenschaftssektor laufen die Vorbereitungen schon seit Jahren. Die DZ Bank und der IT-Dienstleister Atruvia entwickelten gemeinsam mit der Börse Stuttgart eine Handelslösung für rund 670 Volks- und Raiffeisenbanken. Der Startschuss soll noch dieses Jahr fallen.

Sparkassen ziehen später nach, da bei ihnen der Entscheidungsprozess schleppender verlief. Noch vor drei Jahren hatte es die Empfehlung gegeben, vom Kryptohandel abzusehen. Doch seit Ende 2024 deutete sich ein Umdenken an. Zuerst prüfte die LBBW ein Angebot, dann forderte der bayerische Sparkassenpräsident Matthias Dießl, Kunden den Zugang zu ermöglichen. Im Sommer 2025 kam der Durchbruch: „Die Sparkassen-Finanzgruppe wird einen verlässlichen Zugang zu einem regulierten Kryptoangebot schaffen“, erklärte der Deutsche Sparkassen- und Giroverband. Für die Umsetzung ist die Dekabank verantwortlich, der Starttermin wird aktuell für Sommer 2026 erwartet.

Parallel arbeitet auch die (halbstaatliche) Commerzbank mit ihrer Marke Comdirect „mit Hochdruck“ an einem Kryptoangebot.

Sowohl Sparkassen als auch Genos betonen, dass sich ihre Angebote an Selbstentscheider richten. Beratung soll es nicht geben. Der Sparkassen- und Giroverband erklärte: „Kryptowährungen sind hochspekulative Anlagen. Wer sich aber bewusst für ein solches Investment entscheidet, soll dies in einem sicheren, regulierten Rahmen tun können – innerhalb der Sparkassen-Finanzgruppe.“

Es bleibt also noch etwas Zeit, sich zu überlegen, ob das Risiko des „Milchmädchen“-Marktes besteht oder man sein Geld besser in andere lukrativere Investments umschichten möchte.

Euer consiliarius

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