Die Fugger waren ein einflussreiches deutsches Kaufmanns- und Bankiersgeschlecht aus Augsburg, das im 14. Jahrhundert gegründet wurde und im 15. und 16. Jahrhundert zu einer führenden europäischen Handelskette aufstieg. Sie waren bekannt für ihre Geschäftstätigkeiten in Bereichen wie dem Edelmetallhandel und der Finanzierung von Herrscherhäusern, insbesondere der Habsburger. Die Familie ist auch für ihre sozialen Stiftungen bekannt, allen voran die Fuggerei, die älteste bestehende Sozialsiedlung der Welt.
Die Geschichte der Fugger begann mit Hans Fugger, der 1367 als Weber aus Graben nach Augsburg zog. Das Familienunternehmen wuchs schnell, zunächst im Handel mit Webwaren und später im Handel mit Edelmetallen und im Finanzgeschäft, was sie zu den wichtigsten Bankiers ihrer Zeit machte. Durch kluge Geschäftsstrategien und Beziehungen zu den Habsburgern entwickelten die Fugger einen europaweiten Konzern und beeinflussten die europäische Politik und Wirtschaft maßgeblich.

Die Fugger waren eng mit der Macht des Hauses Habsburg verbunden, für das sie die Aufstiegsfinanzierung leisteten. Jakob Fugger, bekannt als „der Reiche“, erreichte ein enormes Vermögen, das in heutiger Kaufkraft auf über 400 Milliarden Dollar geschätzt wird und einen erheblichen Teil des europäischen BIP ausmachte. Mit den Erträgen aus dem Handel erwarben die Fugger ab dem 16. Jahrhundert umfangreiche Herrschaften, die eine neue wirtschaftliche und soziale Basis für die Familie bildeten und bis heute im Besitz der Familie sind.
Die Habsburger, ein mächtiges europäisches Fürstengeschlecht, benannt nach ihrer Stammburg im heutigen Schweizer Aargau, das über Jahrhunderte zu einer der einflussreichsten Dynastien Europas aufstieg. Ab dem Jahr 1273 herrschten die Habsburger über das Herzogtum Österreich und bauten ihre Machtbasis dort aus. Ausgehend von der Herrschaft über Österreich, dehnte sich ihr Einfluss durch Heirat und Erbschaft auf große Teile Europas, einschließlich Spanien, Portugal und den Niederlanden, aus. Das Haus erlosch im Mannesstamm 1740, woraufhin es als Haus Habsburg-Lothringen fortbestand und bis 1918 die Kaiser von Österreich stellte.

Durch strategische Heiratspolitik, die dem Motto „Bella gerant alii, tu felix Austria nube“ (Kriege mögen andere führen, du glückliches Österreich heirate) entsprach, vergrößerten sie ihren Besitz erheblich. Die Habsburger stellten im Laufe der Zeit 21 römisch-deutsche Könige und Kaiser.
Mit diesem kleinen geschichtlichen Rückblick schliesst sich Heute wahrscheinlich der Kreis wieder. Während die Habsburger ihre offizielle politische Macht und die Fürst Fugger Privatbank im Laufe der Zeit ihre wirtschaftliche Eigenständigkeit verloren haben, dabei unter das Dach der Finanzholding Nürnberger Beteiligungs-AG schlüpfte, finden Österreich und Fugger nun wieder zusammen.
Die börsenotierte Vienna Insurance Group (VIG) will die Mehrheit an der deutschen Holding der Nürnberger-Gruppe erwerben. Die Wiener wollen bei der restrukturierungsbedürftigen Nürnberger-Gruppe einsteigen und beide Unternehmen haben am Freitag eine Due-Diligence-Prüfung zum möglichen Erwerb einer kontrollierenden Mehrheit von mehr als 50 Prozent an der Nürnberger Beteiligungs-AG vereinbart, wie die VIG in einer Pflichtmitteilung meldet.

Die zum Verkauf stehende Nürnberger Beteiligungs-AG ist die Holding einer Finanz-Gruppe. Zu ihr gehören zahlreiche Gesellschaften und Geschäftsfelder: unter anderem die Nürnberger Lebensversicherung AG, die Nürnberger Pensionskassen AG, die Nürnberger Krankenversicherung AG und die Nürnberger Allgemeine Versicherung AG (Schaden), die Nürnberger Asset Management GmbH, beherrschende Anteile an Unternehmen wie der italienischen Bene Assicurazioni, sowie eben die Fürst Fugger Privatbank.
Derzeit gehört die Gruppe mehrheitlich einer Reihe von Versicherungs- und Finanzunternehmen. Am Grundkapital hält die Münchener Rück (inklusive Tochtergesellschaften) mit 19,1 Prozent den größten Anteil, gefolgt von der Neue SEBA Beteiligungsgesellschaft mbH mit 18,84 Prozent. Weitere Anteile halten die Versicherungskammer Bayern (16,27 Prozent) und die japanische Daido Life Insurance Company (14,99 Prozent). Der Freefloat beträgt 25,75 Prozent.

Im Jahr 2024 ist der fränkische Versicherungs- und Vorsorgekonzern mit hohen Verlusten von rund 77 Millionen Euro tief in die roten Zahlen gerutscht. Zu schaffen macht dem Unternehmen die Schadenversicherung, die aufgrund von Unwetterereignissen und Inflationseffekten stark defizitär ist. Bereits seit Längerem ist der Konzern auf Sparkurs. Ein Sanierungsprogramm mit 250 Maßnahmen sieht Einsparungen von über 75 Millionen Euro vor. Einheiten wurden verkauft – etwa die Nürnberger Pensionsfonds AG an die Metzler Pension Management GmbH, des renommierten Bankhaus Metzler. Bei den Dividenden kam es zu starken Kürzungen. Aus dem Sponsoring des 1. FC Nürnberg ist das Unternehmen ausgestiegen.
Dieses Frühjahr stellte die Führung einen Verkauf zur Diskussion. Laut den Angaben ist der Prozess mit der VIG exklusiv und ob der Deal zustande kommt, ist offen. Eine Entscheidung wird es voraussichtlich im vierten Quartal 2025 geben. Würde es dazu kommen, gewissermaßen „durch strategische Heiratspolitik“ ist das Hauptquartier der Bank dann wieder im Herzen des Habsburger Reiches, gleichwohl dieses stark Federn lassen musste, in Wien ansässig.
Die Vienna Insurance Group AG – Wiener Versicherung Gruppe (VIG) zählt zu den größten Versicherungsgruppen in Europa und zu einer der führenden Versicherungsgruppen in Österreich sowie Zentral- und Osteuropa. Das österreichische Unternehmen ging aus der 1824 gegründeten Wechselseitigen kaiserlich-königlich privaten Brandschaden-Versicherungs-Anstalt hervor.

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